DeWeZet 11.05.2009

AERZEN - EMMERTHAL
Ein bisschen verrückt – für sie ganz normal
Aerzen / Emmerthal (sbr). An Selbstbewusstsein mangelt es den Musikern der heimischen Formation „Crazy Skifflemen“ ebenso wenig wie an Selbstironie, wenn sie sich vorstellen: „Er lässt die Tasten glühen, ein Kerl wie ein Schrank. – Das ist crazy Frank. Er drückt die Quetsche aus, ist nicht zu überhör’n. – Das ist crazy Björn. Wer prügelt auf sein Banjo ein, ist Liebling aller Omas? – Das ist crazy Thomas. Sein Waschbrett ist eine Waffe, er brauch‘ gar kein Judo. – Das ist crazy Udo. Wer ballert da am Kontrabass mit Saiten ganz aus Platin? – Das ist crazy Martin. Wir skiffeln früh am Morgen, wir skiffeln in der Nacht. Wir sind die Crazy Skifflemen und heut‘ wird durchgemacht!“
Wenn die musikalische Vorstellung der Band „Crazy Skifflemen“ erklingt, ist gute Laune programmiert und der Bandname Programm. Unterstützt werden die fünf heimischen Musiker bei einigen Stücken von Ann-Christin Starke, die dann mit ihrer Stimme für das weibliche Gegengewicht bei so viel männlicher Dominanz sorgt.

Zwei der skiffelnden Männer stammen aus Aerzen und sind in der Tanzmusik-Szene keine Unbekannten. Udo Teichert und Martin Weber konnten bereits auf jahrelange Tanzmusik-Erfahrung mit den „Party-Frogs“ zurückblicken, als sie 2006 zu den „Crazy Skifflemen“ stießen und von da an die Band mit Kontrabass und Waschbrett unterstützen. Bereits in den 80er-Jahren gegründet, hat sich die Band, deren Besetzung mehrfach gewechselt hat, musikalisch sehr gewandelt. Zum Repertoire gehören neben den ursprünglichen Folk-, Country-, Blues- und Jazzstücken auch verskiffelte Popmusik sowie alte Schlager aus den 20er-Jahren.
Fangemeinde in der Region
„Extra für die Balladen haben wir uns weibliche Verstärkung ins Boot geholt“, so die Band, die grundsätzlich nicht nach Noten sondern lediglich nach Akkorden spielt. Bei manchen „Instrumenten“, die die fünf Männer und eine Frau auf die Bühne bringen, würde sich die Notensuche auch schwierig gestalten. Sind erst einmal Waschbrett und Kazoo ausgepackt, nähert sich die Stimmung im Publikum dem Siedepunkt. Mittlerweile hat sich eine stetig wachsende, treue Fangemeinde um die Bandmitglieder aus Hameln, Fischbeck, Lauenstein und Aerzen gebildet, deren Musikgeschmack durch die bunte Mischung international bekannter Stücke von den fünf „Verrückten“ offensichtlich voll getroffen wird.

„Unser Name beschreibt, auf welche Art und Weise wir unsere Musikstücke interpretieren“, erklären die Bandmitglieder im Alter von 35 bis 46 Jahren, die bereits mehrere CD aufgenommen haben. Auf die Bühnenkleidung angesprochen, macht sich ein Grinsen unter den Musikern breit. „Nachdem wir anfangs in unserem schwarzweißen Outfit mit Kellnern verwechselt wurden, haben wir mittlerweile auf die Westen verzichtet und diese durch Hosenträger zum weißen Hemd und schwarzer Hose ersetzt“, so die Skiffle-Männer.

Da hat es doch die treue Fangemeinde, Familienmitglieder und Kinder eingeschlossen, viel einfacher. Die gibt sich nämlich schon von weiten mit den drei großen, auf ihren T-Shirts verewigten Buchstaben „CSM“ zu erkennen.

DeWeZet 10.12.2008

"Es ist ursprünglich die Musik der armen Leute. Improvisierte Instrumente wie der Teekistenbass und das Waschbrett kommen beim „Skiffle“ zum Einsatz – so auch beim Konzert der Crazy Skifflemen im Brockenser „Junimond“, bei dem der Schlagzeuger einen alten Reisekoffer als Base-Drum benutzte.
In Zeiten, wo Klänge und Kompositionen elektronisch am Computer erzeugt werden, erlebte das Publikum in Brockensen eine erfrischende Mixtur aus bekannten Liedern der Rock- und Popgeschichte – fast ohne technische Hilfsmittel. Die Crazy Skifflemen unterhielten in sehr lockerer Art und Weise mit Waschbrett, Kontrabass, Gitarre, Banjo und Akkordeon. Neben klassischen Skifflesongs fanden sich auch „Bad Moon Rising“, „Hotel California“, „Down Under“ und selbst der Weihnachts-Dauerbrenner „Last Christmas“ in ihrem Repertoire. Allein das Trommeln auf Waschbrett und Koffer erzeugte schon eine grundlegende Fröhlichkeit, die nicht nur Drummer „Crazy Udo“ anzumerken war. Denn die augenscheinliche Freude der fünf Musiker am „Skiffeln“ übertrug sich schnell auf die Zuhörer.
Der Skiffle, volkstümlich aus der anglo- und afroamerikanischen Musik abgeleitet, war Musik einfacher Leute in den fünfziger Jahren, die nicht ausreichend Geld für teure Instrumente hatten. Aus diesem Grund wurden Alltagsgegenstände zu Musikinstrumenten umgebaut. In ganz frühen Anfängen haben sich selbst die Beatles und die Rolling Stones im Skiffeln versucht, später dann allerdings andere musikalische Akzente gesetzt. Andere Akzente sollten die Crazy Skifflemen keinesfalls setzen, denn diese ursprüngliche Art des Skiffelns hat einen großen und nicht gerade gewöhnlichen Unterhaltungswert."


..keep on skifflin'
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